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Ruth Wentorf

Flötistin




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Lourié, Arthur Vincent
* 14.5.1891 (1892?) St. Petersburg
12.10.1966 Princeton/New Jersey

aus: Lexikon der Flöte, Laaber 2009


Arthur Lourié (Artur Sergeevic Lur'e) gehörte zu den profiliertesten Vertretern der frühen russischen Avantgarde. Inspiriert von den Schriften ? Busonis und den Symbolisten schuf er bereits vor ? Schönberg atonale Tonsatzsysteme mit Zwölfton-, Reihen- und anderen Ordnungsprinzipien. In seinem Frühwerk finden sich futuristische Konzepte von freier Atonalität über geregelte Zwölftonkomplexe und planmäßige Reihenbildungen bis zur "graphischen Komposition", so in seinem wohl bekanntesten Werk Formes en l’air für Klavier. Bereits um 1917 wandte er sich der Wiederentdeckung der einfachen Konsonanzen, der Dissonanzen und linearen Strukturen zu. Er engagierte sich in der Oktoberrevolution und förderte von 1918–1922 als Musikkommissar im Kulturministerium experimentelle Musikrichtungen. Mit dem neu gegründeten Sowjetstaat in Konflikt geratend, verließ er 1922 Russland. 1924 erhielt er Asyl in Paris und emigrierte 1941 in die USA. Lourié wandte sich immer wieder neuen, zum Teil stilistischen Gegensätzen zu. Seine Chamber Music (1924) wird mit ihrer äußersten Reduktion der Ausdrucksmittel zu einem Vorläufer der Minimal Music.

In einem seiner zahlreichen Aufsätze zur Musikästhetik An Inquiry into Melody (Über die Melodie) (1929/1930) betont er den Vorrang der Melodie gegenüber dem Rhythmus. Schon im französischen, vor allem aber im amerikanischen Exil wandte er sich bewusst seiner russischen Heimatkultur zu. Die Atonalität empfand er als emotional leer. Ein archaischer Unterton von Traurigkeit und Beschwörung ist in allen Werken zu finden. Am Existenzminimum lebend, starb Lourié 1966 in den USA im Haus seines Gönners und Freundes, des Philosophen Jacques Maritain in Princeton. In seinem Nachlass fanden sich 200 graphische Blätter, die er in seinen letzten Lebensjahren schuf.

Sein Œuvre umfasst außer seinen fünf Opern und einigen Kammermusikwerken vor allem Werke für Klavier, daneben Werke für Gesang und Chorwerke. Manche seiner Kompositionen wurden wenig gespielt oder erst gar nicht verlegt. Das uns bekannte früheste Werk für Flöte von Lourié ist das meditative, neoklassizistische und polytonale Duo La Flûte à travers le Violon, 1935 komponiert und René ? Le Roy gewidmet. In den USA schrieb er drei Solostücke für Flöte: Dithyrambes (1942), in denen er das Prinzip der Monodie anwendet; Sunrise (1956) und The Flute of Pan (1957) sind virtuose Stücke mit schwermütigen Melodien. The Flute of Pan mutet wie ein Rückzug in die eigene Vergangenheit an. Hier laufen die Tonreihen wie in der Musik der frühen futuristischen Phase auf ihren Ausgangspunkt zurück. Seine Werke und Schriften befinden sich heute in der Paul Sacher Stiftung in Basel.

Werke für Flöte:
La Flûte à travers le Violon für Flöte und Violine (1935)
Dithyrambes für Flöte solo (1942)
Deux Etudes sur un Sonnet de Mallarmé für Stimme / Flöte und Klavier (1945) das ist der gemeinsame Titel
I. Madrigal en Ut für Stimme und Klavier, II. Phrases für Flöte und Klavier ##gemeinsamer Titel?? Jahr?##
Little Giding für Tenor und Instrumentalbegleitung (1945)
Sunrise für Flöte solo (1956)
The Flute of Pan für Flöte solo (1957)
Funeral Games in Honor of Chronos für 3 Flöten, Klavier und Cymbales (1964)

Literatur:
F.X. Ohnesorg (Hrsg.), Arthur Lourié. Eine Ausstellung der KölnMusik zum 100. Geburtstag des Komponisten, Köln 1992 • D. Gojowy, Arthur Lourié und der russische Futurismus, Laaber 1993 • Ders., Arthur Lourié – ein Neoklassizist?, in: F. Meyer (Hrsg.), Klassizistische Moderne, Winterthur 1996 • Ders., Lourié, in: MGG2P, Bd. 11, Kassel u.a. 2004, Sp. 515–518 • Ders., Arthur Louriés zwei Exile, in: F. Zehentreiter (Hrsg.), Komponisten im Exil, Berlin 2008, S. 197–214.
www.lourie.ch
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